Vorbereitung auf die Mediationssitzung

Ihre Vorbereitung für ein optimales Ergebnis

Sie möchten Ihr Problem lieber früher als später gelöst sehen? Sie möchten Ihre Zeit und Ihr Geld lieber für bessere Ziele ausgeben als für Streitigkeiten?

Mein Tipp: Bereiten Sie sich vor!

Sie nutzen Ihre Zeit optimal, wenn Sie sich vor der Mediationssitzung durch die nachfolgenden Fragen arbeiten. Wenn Sie Anwältin / Anwalt sind: Geben Sie diese Fragen Ihrer Mandatin / Ihrem Mandanten zur Vorbereitung. Ein solcher Fragenkatalog wird in Kalifornien regelmäßig zur Vorbereitung schwieriger Verhandlungen eingesetzt. Und fast jede Partei, die sich im Vorfeld darum bemüht, sich selbst ernsthaft diese Fragen zu beantworten, hat es danach viel leichter, mit der Gegenseite zu einer tragfähigen Einigung zu finden.


1. Ihre Interessen:

a) Schreiben Sie Ihre grundlegenden Interessen auf und ordnen Sie diese nach Ihrer persönlichen Wichtigkeit (z.B. Sicherheit, Anerkennung, Fairness, Vermeidung von Risiken, Beziehungen, Zukunftspläne). Fragen Sie sich: Vorausgesetzt, die Gesenseite gibt mir, was ich will - was genau würde das für mich bedeuten?

b) Was glauben Sie: Welche Interessen hat die/der andere? Schreiben Sie diese Interessen auf und bringen sie diese in die Reihenfolge, von der Sie glauben, dass sie für den anderen richtig ist.

c) Bitte bedenken Sie: Jede Einiging muss Ihre Interessen genauso berücksichtigen, wie die Interessen des anderen! Sie beide müssen davon übezeugt sein, dass diese Einigung besser ist, als sich weiter (vor Gericht) zu streiten. Wo, glauben Sie, können Sie sich denn einigen oder zusammenarbeiten, wenn Sie beide eine Einigung erreichen möchten?

d) Was glauben Sie: Über welche wichtigen Dinge haben Sie sich bereits verständigt oder geeinigt?

e) Was glauben Sie: Wo liegen die größten Streitpunkte zwischen Ihnen? Wo liegen Sie am weitesten auseinander?

f) Wenn Sie an diese Streitpunkte denken: Welche objektiven / sachlichen Kriterien müssten für Sie erfüllt sein, damit sie das Gefühl haben, eine gute Einigung erreicht zu haben?

g) Woran erkennen Sie, ob eine (künftige) Vereinbarung für Sie besser ist, als die Sache durchzustreiten? Welche anderen Möglichkeiten haben Sie und wie bewerten Sie deren Erfolgsaussichten? Nach welchen Gesichtspunkten wollen Sie feststellen, ob eine Einigung auch wirklich Ihre Interessen befriedigt und abdeckt?


2. Ihre Sicht der Probleme


a) Wie haben Sie die Situation eingeschätzt, als Sie das erste mal mit der Gegenseite zu tun hatten (z.B. Verteilung von Rechte und Pflichten, Aufgabenverständnis, wer bekommt wann was wofür)?

b) Was denken Sie, welche wesentlichen Veränderungen sind im Laufe der Zeit eingetreten? Worin unterscheidet sich Ihre Einschätzung von der Einschätzung der Gegenseite, Ihrer Meinung nach?

c) Welche Überlegungen und/oder Gefühle haben Sie ursprünglich zur Zusammenarbeit mit der Gegenseite bewogen?

d) Wann genau und genau wegen welcher Sache oder wegen welchen Vorfalls bekamen Sie das erste Mal das Gefühl, betrogen, hintergangen oder in Ihrem Vertrauen verletzt worden zu sein? Wie stark sind diese Gefühle bei Ihnen heute? Haben Sie das Gefühl, die andere Seite schulde Ihnen etwas als Ausgleich dafür?


3. Ihre Schlussfolgerungen

a) Dort, wo Sie besonders unterschiedliche Auffassungen haben: Welche Unterlagen oder Informationen können Sie beibringen, um der Gegenseite Ihre Auffassung besser verständlich oder besser nachvollziehbar zu machen ( z.B. Urkunden, Verträge, Briefe oder E-Mails, Fotos, Zeugen, schriftlich festgelegte, allgemein anerkannte Standards oder Gepflogenheiten in der Branche)?

b) Was könnte die Gegenseite vielleicht vorbringen, das Sie wirklich aus der Fassung bringt? Wie könnten Sie darauf überlegt antworten?

c) Wie wollen Sie Ihre kurzrfristigen und Ihre langfristigen Ziele gewichten (z.B. "Spatz in der Hand ist besser als Taube auf dem Dach")?

d) Sollten Sie sich nicht einigen können: Welche beste Alternative hätten Sie? Und zwar ganz realistisch betrachtet? Welche Einigung glauben Sie "schlimmstenfalls" mit Sicherheit erreichen zu können, und wie sieht diese aus verglichen mit Ihrer besten Alternative? Schreiben Sie möglichst viele Vorteile und Risiken dieses "schlimmstenfalls" erreichbaren Verhandlungsergebnisses und Ihrer besten Alternative auf.

e) Was glauben Sie: Welche beste Alternative zu einer Einigung hat Ihre Gegenseite?

f) Schreiben Sie alle Gesichtspunkte und Themen auf, die zur Sprache kommen könnten, wenn die Sache z.B. vor Gericht, vor einem Schiedsrichter oder einem Vorgesetzten erörtert werden würde (z.B. Absprachen, Einhaltung oder Verletzung von Vereinbarungen, Vertragsklauseln, Auslegung von Verträgen, unvorhergesehene Probleme, Berechnungs- und Bewertungsmethoden).

g) Wie sehen Sie für sich das maximale Risiko, wenn Sie sich nicht einigen können? Denken Sie z.B. an ein eventuell langes und am Ende erfolgloses Gerichtsverfahren oder eine gegen Sie ausfallende Entscheidung Ihres Vorgesetzten. Welche Kosten würden Ihnen in einem solche Fall entstehen (Gerichts- und Anwaltskosten, Sachverständigengebühren - im schlimmsten Falle auch die der Gegenseite; verlorene eigene Arbeitszeit; verlorene Zeit, die Sie mit Ihrer Familie hätten verbringen können)? Auch wenn Sie diese Kosten nicht ganz exakt beziffern können: Schätzen diese Kosten so präzise wie möglich ein. Das ist außerordentlich wichtig für Ihre persönliche Konfliktbeurteilung!

h) Können Sie sich zwei mögliche Lösungen vorstellen, die i) Ihrer Auffasssung nach die Interessen der Gegenseite befriedigen und ii) mit denen Sie leben können und iii) die alle Ihre Kernprobleme behandeln? Bitte bedenken Sie: Auch der beste Lösungsansatz kann scheitern, wenn er zu früh von einer Seite auf den Tisch gelegt wird. Manchmal wird ein solcher Vorschlag von der Gegenseite eher als Drohung oder Beeinflussungsversuch verstanden. Am besten ist eine Lösung, wenn Sie im Laufe des Verhandlungsprozesses von beiden Parteien in gemeinsamer Anstrengung gefunden wird.

i) Wie könnte ein neutraler Dritter Ihnen dabei helfen, eine für Sie beide optimale Lösung zu erreichen? Könnte er z.B. dazu beitragen, Emotionen auszugleichen, konstruktive Lösungsansätze zu finden, eine vernünftige und effiziente Verhandlungsatmosphäre zu schaffen, Verhandlungsblockaden aufzulösen, eine dauerhafte Vereinbarung auch schriftlich klar und rechtssicher zu fixieren?

Zugegeben: Die Beantwortung dieser Fragen erfordert Ehrlichkeit zu sich selbst und etwas Zeit und Mühe. Aber ich garantiere Ihnen: Es lohnt sich und zahlt sich für Sie aus.

Bitte fragen Sie mich - ich unterstütze Sie auch gerne bei der Vorbereitung von Mediationsverfahren.


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